Kreisverband Wuppertal

Sind vor Corona alle gleich?

IMG 1250 Kopie KopieFoto: hp.schulzWenn es irgendwann aus dem lock-down herausgeht, kann es nicht so weitergehen wie bisher. Der Staat muss wieder seine Vorsorge-Rolle annehmen. Wir sollten nicht die alten Fehler fortschleppen, sondern eine neue Richtung einschlagen. 

Die Wiedereröffnung der Schulen wird von der Regierung mit dem Argument der sozialen Ausgewogenheit verteidigt. Aber sie lässt den Schulen keine Chance:

In armen Städten fehlt es selbst an Seifenspendern, oft sogar an gepflegten Toilettenanlagen – für deren Unterhalt war ebenso wenig Geld da wie für moderne große Klassenräume, die man jetzt braucht, um Abstandsregeln einzuhalten. Die Modernisierung unserer Schulgebäude darf sich nicht von der Knappheit an Haushaltsmitteln begrenzen lassen. Die Benachteiligung der „Else“ muss zurückgenommen werden; die siebte und achte Gesamtschule müssen jetzt verbindlich geplant werden.

Noch immer wird die Mehrheit der Schulpflichtigen in den Hausarrest verbannt. Gerade ärmere Familien aber auch viele Migranten haben durchschnittlich kleinere Wohnungen. Für SGBII-Familien sind sie sogar ausdrücklich vorgeschrieben. Wohin soll sich das Kind, aber auch die Eltern, zurückziehen? Die LINKE im Rat hatte kürzlich noch gerade für allein Erziehende solche Rückzugsmöglichkeit gefordert und war an der Ratsmehrheit gescheitert. Welche Möglichkeiten hat der Krisenstab in Wuppertal geprüft, diesen Kindern unter Corona-Bedingungen die Kitas oder den offenen Ganztag zu öffnen und später die verbindliche Ganztagsbetreuung?

Die Lehrerverbände fürchten, dass Corona einem Viertel der Kinder schweren Schaden in der Lern-Entwicklung zufügt. Alle loben den Digitalisierungs-Schub für die Schulen, den dieser Hausarrest für das Lernen bedeuten wird. Da sollte die Stadtverwaltung bereits heute einen Plan machen, dass jedes Kind schnellstmöglich ein Tablet zur Verfügung hat, damit auch die armen Kinder an den Segnungen der Digitalisierung teilhaben können.

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Nachfolgend die Pressemitteilung der GEW NRW:

Hohes Risiko für alle Beteiligten beim Schulstart. Landesregierung ignoriert Expertenrat

Die Umsetzung der ministeriellen Vorgaben zur Wiedereröffnung der Schulen in der kommenden Woche birgt aus Sicht der GEW NRW ein hohes Risiko für alle Beteiligten - für die Beschäftigten in den Schulen, die Kinder und Jugendlichen sowie deren Familien. Die Landesregierung will nicht wahrhaben, dass die Umsetzung der Handlungsempfehlungen von Medizinern und Epidemiologen – an denen sie sich zu orientieren vorgibt - an vielen Schulen nicht möglich sein wird. Sie ignoriert die Warnungen der Schulpraktiker*innen und der Schulträger.

„Es ist sehr bedauerlich, dass der Maßnahmenkatalog zur Wiedereröffnung der Schulen so sehr von ministeriellem Wunschdenken geprägt ist“, kommentierte Maike Finnern, die Vorsitzende der GEW NRW heute. „Das Ministerium ignoriert die deutlichen Klarstellungen der kommunalen Schulträger. Der Zeitdruck, der die Umsetzung bei bestem Willen enorm erschwert, ist hausgemacht – nicht zuletzt verursacht durch die Fixierung auf Übergänge und Prüfungen. „Vielen dürfte nicht klar sein, dass nun an einigen Berufskollegs mehr als tausend Schüler*innen unterrichtet werden müssen“, ergänzte Finnern. Zudem sei es bedauerlich, dass so kurz vor der Wiedereröffnung immer noch unklare Botschaften kommuniziert würden, kritisierte die GEW-Landesvorsitzende.

Wer z.B. herauszufinden versuche, was jetzt für die Jahrgangsstufe 10 gelten soll, erhalte unklare Aussagen. In der Schulmail sei jetzt von bevorstehenden "Terminen" zum Erwerb des Hauptschulabschlusses nach Klasse 10 oder des Mittleren Schulabschlusses die Rede. „Sind diese "Termine" Prüfungsarbeiten in einem dezentralen Abschlussverfahren oder sind es schlichte Klassenarbeiten? Wie fließen sie in die Bewertung des Abschlusses ein?“. Viele Schulleiter*innen sind sicher, dass Abstandsvorgaben und weitere Verhaltensregeln nicht einzuhalten sind. Wie sollen sie damit umgehen, wenn sie nun unter der Überschrift „Erweiterte Präventivmaßnahmen durch Tragen von Masken“ von höchster Stelle formuliert lesen, dass „eine Maskenpflicht nur dann erforderlich (ist), wenn die gebotene Abstandswahrung nicht eingehalten werden kann.“ Wer liefert die erforderlichen Masken?

bs bei f

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